Die Einteilung der Mannschaften im NLZ erfolgt in der Regel anhand der Geburtsjahrgänge der Spieler. Das Konzept des Bio-Banding bringt einen neuen Weg der Gruppenbildung mit sich und für ausgewählte Trainings- und Spielformen auch Spieler aus verschiedenen Jahrgängen zusammen, deren körperlicher Entwicklungsstand ähnlich ist.
Entscheidend ist dabei nicht nur das Alter im Ausweis, sondern die biologische Reife des Spielers. Bio-Banding ergänzt das normale Training in den Jahrgangsmannschaften und ersetzt es nicht.
Die Gruppenzuteilung im Bio-Banding bedeutet weder Beförderung noch Rückstufung und ist keine Vorhersage darüber, wie weit ein Spieler in seiner Karriere kommen wird. Sie schafft passende Entwicklungsreize für den aktuellen körperlichen Entwicklungsstand!
Das Ziel von Bio-Banding ist eine möglichst individuelle und langfristige Förderung jedes Spielers. Durch die angepasste Gruppeneinteilung sollen Spieler:
- angemessen gefordert werden
- neue technisch-taktische Lösungen entwickeln
- mehr relevante Zweikampf- und Spielsituationen erleben
- weder dauerhaft unter- noch überfordert werden
- unabhängig vom aktuellen körperlichen Entwicklungsstand ihr Potenzial zeigen können
Dabei profitieren sowohl die früh- als auch die spätentwickelten Spieler:
Spät entwickelte Spieler treffen im normalen Jahrgangstraining häufig auf körperlich deutlich weiter entwickelte Mitspieler und Gegner.
In einer biologisch homogeneren Gruppe können sie:
Häufiger aktiv in Zweikämpfe gehen
Körperliche Lösungen ausprobieren
Mehr Einfluss auf das Spiel übernehmen
Ihre technisch-taktischen Fähigkeiten besser zeigen
Selbstvertrauen in direkten Spielsituationen gewinnen
Früh entwickelte Spieler können in ihrem normalen Jahrgang Situationen teilweise durch ihre körperliche Überlegenheit lösen.
Treffen sie auf Spieler mit einem ähnlichen Reifestatus, müssen sie verstärkt:
Technisch sauber handeln
Situationen schneller erkennen
Bessere Entscheidungen treffen
Räume und Mitspieler gezielter nutzen
neue Lösungen unter höherem Druck entwickeln
Mark Brinkbäumer, Teamleiter Athletik & Prävention, über Bio-Banding:
FAQ: Bio Banding
Kinder und Jugendliche entwickeln sich unterschiedlich schnell. Zwei gleichaltrige Spieler können sich körperlich deutlich unterscheiden – beispielsweise hinsichtlich Körpergröße, Gewicht, Kraft, Schnelligkeit und Zeitpunkt des Wachstumsschubs. Diese Unterschiede sind während der Pubertät normal. Sie sagen nichts darüber aus, welcher Spieler langfristig das größere fußballerische Potenzial besitzt.
Nein. Das tatsächliche, bzw. chronologische Alter ergibt sich aus dem Geburtsdatum. Das biologische Alter beschreibt, wie weit die körperliche Entwicklung eines Spielers im Vergleich zu anderen Kindern und Jugendlichen fortgeschritten ist. Ein Spieler kann deshalb chronologisch älter, biologisch aber weniger weit entwickelt sein – oder umgekehrt.
Für die Einschätzung des Reifestatus können verschiedene körperbezogene Messwerte erhoben werden. Dazu gehören beispielsweise Körpergröße, Körpergewicht, Sitzhöhe und – je nach verwendeter Methode – weitere Angaben wie die Körpergröße der Eltern oder der skelettale Reifegrad.
Im NLZ von Eintracht Frankfurt kann der skelettale Reifegrad zusätzlich mithilfe von Ultraschallmessungen an der Hand eingeschätzt werden. Die Messung ist nicht invasiv und verursacht keine Strahlenbelastung. Die Messwerte werden nicht isoliert betrachtet. Bei der Gruppeneinteilung werden zusätzlich die sportliche Situation und die Einschätzungen der Trainer berücksichtigt.
Spieler der Mannschaften U12 – U15 werden zu einem größeren Spielerpool zusammengefasst. Auf Grundlage der Reifestatusmessungen und der sportlichen Einschätzungen werden kleinere Trainings- oder Spielgruppen gebildet. In diesen Gruppen kommen insbesondere kleine Spielformen, Zweikämpfe und körperlich direkte Situationen zum Einsatz. Die genaue Organisation kann abhängig von Altersklasse, Saison, Trainingsziel und Spielerpool angepasst werden.
Nein. Die Einteilung ist ausdrücklich keine Rückstufung und keine negative Leistungsbewertung. Sie soll für den aktuellen Entwicklungsstand eine passende Herausforderung schaffen. Sie ist eine Trainingsmaßnahme und kein Rangsystem.
Ein biologisch später entwickelter Spieler kann vorübergehend gemeinsam mit chronologisch jüngeren Spielern trainieren, weil deren körperlicher Entwicklungsstand besser zu seinem eigenen passt. Die Maßnahme soll dem Spieler ermöglichen, körperliche Aktionen selbstbewusster einzusetzen, häufiger in direkte Duelle zu kommen und seine fußballerischen Fähigkeiten unter passenden Bedingungen zu zeigen. Auch wenn ein Spieler mit chronologisch älteren Spielern trainiert, bedeutet dies nicht, dass er sportlich besser bewertet oder dauerhaft in eine höhere Mannschaft versetzt wird.
Nein. Der körperliche Entwicklungsstand verändert sich, insbesondere während der Pubertät und des Wachstumsschubs. Deshalb stellt eine Gruppeneinteilung immer eine Momentaufnahme dar. Messwerte, Trainingsbeobachtungen und individuelle Entwicklungsziele können dazu führen, dass die Gruppen im weiteren Verlauf angepasst werden. Ein Wechsel der Gruppe ist normal und stellt keine Auf- oder Abwertung dar.
Nein. Bio-Banding ist als Ergänzung zum regulären Mannschaftstraining vorgesehen. Die Spieler bleiben grundsätzlich Teil ihrer Jahrgangsmannschaft. Für bestimmte Trainingseinheiten, Spielformen oder Leistungsvergleiche können jedoch jahrgangsübergreifende Gruppen gebildet werden.
Die Gruppenzuteilung allein ist keine Bewertung von Talent, Leistung oder langfristigem Potenzial. Für die sportliche Beurteilung werden weiterhin unterschiedliche Faktoren berücksichtigt.
Beispiele dafür sind:
- technische und taktische Fähigkeiten
- Spielverständnis und Entscheidungsverhalten
- Lern- und Entwicklungsfähigkeit
- körperliche Voraussetzungen
- Persönlichkeit und Verhalten
- Trainings- und Wettkampfleistungen
Der Reifestatus liefert zusätzliche Informationen, damit aktuelle körperliche Vorteile oder Nachteile besser eingeordnet werden können.
Eltern können wesentlich dazu beitragen, dass ihr Kind die Maßnahme richtig versteht. Hilfreich sind beispielsweise folgende Botschaften:
- „Die Gruppe zeigt nicht, wie gut du bist. Sie soll dir heute die passende Herausforderung geben.“
- „Jeder entwickelt sich unterschiedlich schnell. Das ist vollkommen normal.“
- „Entscheidend ist nicht, in Welcher Gruppe du heute trainierst, sondern was du dort lernen kannst“
Vergleiche mit anderen Spielern oder Formulierungen wie „hochgestuft“ und „herabgestuft“ sollten vermieden werden. Im Mittelpunkt steht die individuelle Entwicklung des Kindes.
Jeder Spieler sollte sich vor allem fragen:
- Welche Situationen fallen mir in dieser Gruppe leichter oder schwerer?
- Welche Lösungen muss ich neu entwickeln?
- Nutze ich meine körperlichen Möglichkeiten sinnvoll?
- Gehe ich mutig in Zweikämpfe?
- Treffe ich unter Druck gute Entscheidungen?
- Welche Rückmeldung haben mir meine Trainer gegeben?
Die Gruppe ist nicht das Ergebnis einer Bewertung, sondern Teil einer individuellen Entwicklungsaufgabe.
Bio-Banding ist keine Garantie zur Verletzungsprävention. Informationen über Wachstum und Reifestatus können dem Trainer- und Athletikteam jedoch helfen, Belastungen besser einzuordnen.
Gerade während eines starken Wachstumsschubs können sich Bewegungskoordination, Belastbarkeit und Verletzungsanfälligkeit vorübergehend verändern. Bio-Banding ist daher ein möglicher Bestandteil eines umfassenden Wachstums- und Belastungsmanagements, ersetzt aber keine individuelle Trainingssteuerung oder medizinische Betreuung.
Bei Fragen zur Messung, Gruppeneinteilung oder individuellen Zielsetzung können sich Spieler und Eltern an die zuständigen Trainer sowie die verantwortlichen Mitarbeiter aus dem Bereich Athletik wenden.
Bei weitergehendem Klärungsbedarf kann ein persönliches Gespräch vereinbart werden. Ziel ist, dass sowohl der Spieler als auch seine Eltern verstehen, warum die jeweilige Maßnahme für die aktuelle Entwicklung sinnvoll ist.
Interner Ansprechpartner:
Mark Brinkbäumer | Teamleiter Athletik & Prävention
E-Mail: m.brinkbaeumer@eintrachtfrankfurt.de
