04.06.2021
Nachwuchsleistungszentrum

Zweifach zurückgekämpft

Eine Knieverletzung und deren Folgen setzten Felix Irorere mehr als 19 Monate außer Gefecht. Eine doppelte Leidenszeit, von der sich das aufstrebende Nachwuchstalent nicht unterkriegen ließ.

Wenn von talentierten Jungadlern die Rede ist, fehlt sein Name in der Regel nicht: Felix Omoruyi Irorere. 2013 im Alter von elf Jahren an den Riederwald gewechselt, legte er im Leistungszentrum eine erstaunliche Entwicklung hin. So erstaunlich, dass sich Einsätze in Mannschaften über seiner eigenen Altersklasse im Laufe seiner Eintracht-Zeit zur Normalität entwickelten. Schon mit zarten 15 Jahren, zur Saison 2017/18, machte er in der B-Junioren Bundesliga Süd/Südwest den gegnerischen Stürmern das Leben schwer. Folgerichtig vollzog er auch den Sprung in die U19 schon bevor er altersbedingt zu den A-Junioren aufrückte. Und auch im ältesten Leistungsteam wusste der damals 16-Jährige auf Anhieb zu überzeugen, etablierte sich als Stammspieler in der U19 und steuerte über seinen Aufgabenbereich als Verteidiger hinaus sogar zwei Tore und ein Assist bei. Für den talentierten Innenverteidiger lief es zu jener Zeit wie am Schnürchen.

Ich habe danach sogar weitergespielt, weil ich vermutlich aufgrund des Adrenalins nichts gespürt habe.

Felix Irorere

In die Spielzeit 2019/20 startete Felix dementsprechend mit besonderer Vorfreude. Schließlich hatte er bereits einige Partien in der ältesten Junioren-Liga auf dem Buckel – und das, obwohl er nun mit seinen Jahrgangs-Genossen ins erste offizielle A-Junioren-Jahr ging. Und dem Abwehrhünen gelang, wie der gesamten Mannschaft, ein sehr ordentlicher Saisonstart. Aus den ersten sieben Partien ergatterten die Adlerträger starke zwölf Punkte, darüber hinaus stellte Felix mit drei Treffern und einem Assist seine für einen Verteidiger überaus große Torgefahr erneut mehrfach unter Beweis. Vor Spieltag acht stand eine Länderspielpause an, eine – wie sich später herausstellte – folgenschwere. Im Rahmen eines Auswahlturniers im Oktober 2019 verletzte sich der Jungadler am Knie. Ein klassischer Fall von „im Rasen hängengeblieben“, wie es Felix selbst beschreibt. „Ich habe danach sogar weitergespielt, weil ich vermutlich aufgrund des Adrenalins nichts gespürt habe. Das Ausmaß war mir zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht bekannt.“

Der Beginn einer Odyssee

„Erst als das Spiel zu Ende war und wir anschließend auslaufen sollten, habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr laufen kann“, ergänzt Felix. Langsam realisierte der Riederwälder, dass ihm womöglich eine längere Pause bevorstehe. Bestätigt wurde dies durch die Diagnose: angerissener Meniskus, operativer Eingriff nötig. „Der grobe Zeitplan war, dass ich spätestens ein halbes Jahr später wieder fit und gesund auf dem Platz stehen sollte“, erinnert sich Felix. Nur eine Woche später unterzog sich das Abwehr-Talent der geplanten Operation und der Eintrachtler startete mit Zuversicht sein mühseliges Reha-Programm. Und mühselig sei das im wahrsten Sinne des Wortes gewesen: „In den ersten sechs Wochen konnte ich gar nicht laufen, anschließend musste ich zwei, drei Wochen lang erst einmal wieder das Gehen erlernen“, erinnert er sich an die schwierige Anfangszeit. Dennoch sei die Reha-Phase zunächst hoffnungsvoll verlaufen: „Ich lag voll im Zeitplan und war guten Mutes, dass die angepeilte Pause von einem halben Jahr in etwa hinkommt.“

Nach der erfolgreich absolvierten Gehschule steigerte das im französischen Saint-Denis geborene Abwehrtalent sein Pensum und fing mit Kraft- sowie Koordinationstraining an. „Krafttraining war damals das Wichtigste. Durch die lange Pause hatte ich einiges an Muskelmasse verloren, das Bein bestand nur noch aus Haut und Knochen“, kann Felix mittlerweile darüber scherzen. Während er seiner Rückkehr auf den Platz entgegenfieberte, bekamen seine Mannschaftskameraden Mitte März des vergangenen Jahres die Folgen der kurz zuvor in den Mittelpunkt gerückten Corona-Pandemie zu spüren. „Das war schon eine außergewöhnliche Situation, aber ich konnte mich zu diesem Zeitpunkt voll auf meine Rückkehr auf den Platz fokussieren. Und die stand eigentlich kurz bevor.“

Tiefschlag hingenommen, Kämpferherz bewiesen

Eigentlich. Denn wie aus dem Nichts bekam der Jungadler die Hiobsbotschaft, die die gesamte Arbeit der vergangenen Monate auf einen Schlag zunichtemachte. „Eigentlich war alles top und plötzlich gab es diesen Schlag ins Gesicht“, erinnert sich Felix und erklärt: „Die Naht im Knie war aufgerissen und eine erneute Operation nötig.“ Diese Nachricht sei, sagt Felix, deutlich schlimmer gewesen als die erste Diagnose zu Saisonbeginn. „Ich habe mich herangekämpft, alles für mein Comeback gegeben und plötzlich war die harte Arbeit umsonst. Das war schwierig zu akzeptieren.“ Als wäre das nicht schon schlimm genug, kam es im Verlauf der zweiten Operation zu einer Infektion, die den Heilungsverlauf gar noch weiter in die Länge zog.

Aber der Riederwälder ließ sich auch davon nicht unterkriegen, im Gegenteil. Mit Disziplin, Fleiß und einer großen Portion Ehrgeiz absolvierte er das gesamte Rehabilitations-Programm noch einmal und kämpfte sich so wieder zurück zu alter Leistungsstärke. Woher der 1,95 Meter große Verteidiger diese Kraft nahm? „Meine Familie hat mir in dieser Zeit viel dabei geholfen und mich immer dazu ermutigt, positiv zu bleiben. Und auch Rafael Francisco („Mann für Alles“ im Leistungszentrum; Anm. d Red.) möchte ich herausheben. Er hat mich zu sämtlichen Arztterminen begleitet – und das waren nicht wenige“, spricht das Nachwuchstalent seine Dankbarkeit aus. Und dann war es schließlich so weit. Am 22. Mai 2021, mehr als 19 Monate nach der Erstdiagnose, schnürte Felix endlich wieder seine Fußballschuhe, streifte sich das Trikot mit dem Adler auf der Brust über und nahm seinen gewohnten Platz in der Innenverteidigung ein. Beim 5:3-Testspielsieg auswärts bei der TSG Hoffenheim reichte es ebenso für 45 Minuten, wie eine Woche darauf auf heimischem Terrain gegen den FC Astoria Walldorf (3:0).

Ich habe einiges nachzuholen und möchte die kommenden Wochen dazu nutzen, meine Defizite in Sachen Kraft, Koordination und Kondition auszugleichen.

Felix Irorere

Für Felix unbeschreibliche Momente: „Ich habe so lange darauf hingearbeitet und dann stand ich endlich wieder auf dem Rasen. Das war am Anfang etwas ungewohnt, weil ich mich erst wieder zurechtfinden musste, aber dennoch ein super Gefühl“, sagt Felix, der seine Leistungen in beiden Partien als „solide“ bewertet. „Ich war etwas nervös, aber das ist ja normal. Ich habe mich einfach riesig darauf gefreut, insbesondere auf das Heimspiel.“ Dass beide Begegnungen gewonnen werden konnten und gegen Walldorf sogar ohne Gegentor, sei ein runder Abschluss seiner nun zu Ende gegangenen Leidenszeit. Zurücklehnen will sich der Jungprofi nun allerdings nicht. „Ich habe einiges nachzuholen und möchte die kommenden Wochen dazu nutzen, meine Defizite in Sachen Kraft, Koordination und Kondition auszugleichen“, so der 18-Jährige, der ergänzt: „Ich blicke optimistisch in die Zukunft.“ Dazu hat er auch allen Grund. Denn wie Felix Irorere in den vergangenen 19 Monaten bewiesen hat, lässt sich der Adlerträger so leicht nicht unterkriegen.

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