14.07.2021
Nachwuchsleistungszentrum

Vater-Sohn-Gespann mit Adlerherz

Carsten Nulle stand beim Meistertitel der B-Junioren 1991 im Tor. Vater Klaus gehörte damals als Betreuer dem Team an und ist der Eintracht-Jugend bis heute erhalten geblieben. Wir haben mit ihnen gesprochen.

In etwa zur selben Zeit schlossen sich Carsten Nulle und Vater Klaus Nulle der Eintracht an. Während Carsten für die Juniorenteams der Eintracht und später auch für die U23 das Tor hütete, verstärkte Vater Klaus als Betreuer und Zeugwart das „Team hinter dem Team“. Gemeinsam feierten sie den Deutschen Meistertitel der B-Junioren 1990/91. Während Sohnemann Carsten in den vergangenen rund 26 Jahren noch für viele weitere Vereine als Torhüter auf und als Torwarttrainer neben dem Feld stand, ist Klaus dem Nachwuchs von Eintracht Frankfurt bis heute erhalten geblieben. Mit uns hat das Vater-Sohn-Gespann seine Erinnerungen zum damaligen Titelgewinn geteilt.

Wann genau habt ihr euch der Eintracht angeschlossen – und wie kam es dazu?
Carsten:
Das müsste 1989 gewesen sein. Ich habe damals bei meinem Heimatverein SKG Sprendlingen gespielt und wurde ebenso von der Eintracht gescoutet wie Michael Groh, der im Nachbarort gespielt hat. Wir hatten zwar auch Angebote von Kickers Offenbach, aber als stolze Eintrachtler kam das natürlich nicht in Frage (lacht). Für mich war es immer das größte, für die Eintracht aufzulaufen. Als ich noch in Sprendlingen spielte, sind wir samstags nach unseren Partien noch ins Waldstadion. Damals durfte man noch zur zweiten Halbzeit kostenlos rein – das waren Zeiten. Umso schöner, dass dieser Traum tatsächlich in Erfüllung ging.

Klaus: Ich bin in etwa zur gleichen Zeit, oder vielleicht auch ein wenig später zur Eintracht gekommen. Ich war ja ohnehin immer dabei, weil ich Carsten gefahren und zu den Spielen begleitet habe. Als Betreuer beziehungsweise Zeugwart in den Verein gekommen bin ich aber durch Rainer Falkenhain. Bei den Camps der Fußballschule unter der Leitung von Charly Körbel in Neu-Isenburg habe ich ab und an mitgeholfen, die Küche gemacht und das, was eben angefallen ist. Eines Tages kam Rainer Falkenhain zu mir und fragte, ob ich nicht Lust hätte, am Riederwald als Zeugwart die Wäsche zu machen. Das habe ich mir dann überlegt und ein paar Tage später Klaus Lötzbeier [Anm. d. Red.: damaliger Jugendleiter] gesagt, dass ich das machen möchte. Und so war ich plötzlich dabei – und bin es bis heute.

Hat es dir, Carsten, geholfen, dass dein Vater auch im Verein war und zum Team gehörte?
Carsten:
Über meine gesamte Karriere hinweg gesehen waren es ja nicht viele Jahre, in denen er unmittelbar zu meiner Mannschaft gehörte, beziehungsweise großen sportlichen Einfluss hatte. Er hat meine Leistungen immer sehr nüchtern und durchaus kritisch gesehen. Aber grundsätzlich ist es natürlich so, dass ich es ohne die Unterstützung meines Vaters und auch meiner Mutter nicht zum Profi geschafft hätte.

Klaus: Ich als Vater habe natürlich immer besonders mit meinem Sohn mitgefiebert und mich über die Erfolgserlebnisse der Mannschaft gefreut. Es gab auch mal eine Zeit, in der ich direkt hinter ihm und dem Tor stand, aber das war auch nicht immer vorteilhaft (lacht). Wir haben auch über Sportliches gesprochen, aber nicht zu viel. Wenn ein Spiel gewonnen wurde, und das war in der Meistersaison meistens der Fall, wurde es abgehakt und das nächste Spiel stand im Fokus.

Du sprichst die Meistersaison 1990/91 an. War schon vor der Spielzeit klar, dass mit dieser Mannschaft einiges möglich sein könnte?
Klaus:
Das war schon ein herausragender Jahrgang mit Spielern wie beispielsweise Michael Anicic, Michael Groh und Matthias Hagner. Da waren einige Junioren-Nationalspieler und Verbandsauswahl-Spieler dabei. Die Jungs haben sich erst verdientermaßen die Hessenmeisterschaft geholt und sich dann in den Partien um die Deutsche Meisterschaft noch einmal steigern können.

Carsten: Da kann ich nur zustimmen. Für unsere Altersklasse hatten wir schon eine ganz, ganz hohe Qualität. Für uns war von Anfang an klar, dass wir so weit wie möglich kommen wollen. Den letzten Eintracht-Titel im Junioren-Bereich haben die A-Junioren 1981/82, also neun Jahre zuvor, geholt. Das wollten wir ändern – und das haben wir geschafft.

Welche Erinnerungen habt ihr an das spektakuläre Endspiel am Bornheimer Hang?
Carsten:
Unser Trainer Gernot Lutz hat mir am Tag davor gesagt, dass ich spielen werde. Die Vorfreude war groß und das Spiel selbst war hochemotional. Hertha konnte mit Wahnsinnstoren zweimal ausgleichen, aber letztlich haben wir den Titel verdient geholt. Es war für uns alle ein tolles Erlebnis, das uns sehr stolz gemacht hat.

Klaus: Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Es war ein super Spiel, jeder der 5.000 Zuschauer war begeistert. Nach den verspielten Führungen waren die Jungs zwischendurch sichtlich nervös, aber am Ende haben sie es souverän nach Hause gebracht.

1994, drei Jahre nach dem Titelgewinn, haben sich die sportlichen Wege von Eintracht Frankfurt und deinem Sohn Carsten getrennt. War das für dich, Klaus, kein Grund, den Klub ebenfalls zu verlassen?
Klaus:
Nein. Carsten ist ja nach wie vor im Herzen Eintrachtler. Und ich hatte hier meinen Job als Zeugwart, der mir damals Spaß gemacht hat – und der mir heute noch Spaß macht. Auch wenn wir hier gemeinsam eine tolle Zeit hatten, ist Carsten anschließend seinen Weg erfolgreich bei anderen Vereinen weitergegangen.

Carsten: Wie es im Fußball eben ist: Entscheidungen werden getroffen und die Entscheidung ist damals so gefallen, dass ich die Eintracht verlassen musste. Dass ich nach wie vor Eintracht-Fan bin, hat sich durch diese Entscheidung nicht geändert. Deshalb gab es keinen Grund, warum mein Vater die Eintracht hätte verlassen sollen. Er ist schon so lange dabei – mittlerweile über 30 Jahre – und hat einiges mit dem Verein erlebt. Ein Leben ohne Eintracht Frankfurt könnte sich mein Vater nicht vorstellen.

[Anm. d. Red.: Und umgekehrt hofft Eintracht Frankfurt, dass Klaus Nulle dem Leistungszentrum noch lange erhalten bleibt!]