17.11.2020
Nachwuchsleistungszentrum

Rund um die Uhr für das NLZ

Wer ins Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald kommt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Chrissoula Disch und Rafael Francisco dort antreffen.

Es ist gerade einmal 6 Uhr, wenn Chrissoula am Morgen das Sportinternat betritt und ihr Arbeitsalltag beginnt. Noch schläft alles am Riederwald. Für Chrissoula heißt das: Die Ruhe vor dem Sturm nutzen und mit den Vorbereitungen beginnen. Dazu gehört zum Beispiel die Vorräte im Kühlschrank überprüfen oder auch Gemüse klein schneiden, Eier kochen und Tisch decken für das Frühstück. Viel Zeit bleibt ihr dabei nicht, denn bereits um halb 7 steht der nächste Programmpunkt an: Leben ins Haus bringen. „Aufstehen, Frühstück“ hört man ihre Stimme dann nacheinander in den Zimmern des Internats. Und nicht unbedingt nur einmal. „Bei dem ein oder anderen muss man auch zwei, dreimal hingehen“, verrät Chrissoula augenzwinkernd und zeigt damit, was an ganz vielen Stellen deutlich wird, wenn man mit ihr spricht: Sie kennt „ihre Jungs“. Nicht umsonst gilt sie als die „Ersatzmama“ im Sportinternat.

Seit Chrissoula 2017 Internatsbetreuerin im NLZ wurde, steht für sie das Wohl der Nachwuchsspieler an erster Stelle. Ihre Aufgaben beschreibt sie deshalb auch einfach als „alles, was eine Mutter so macht“. Sprich: Von Aufräumen und Kochen über Einkaufen und Fahrdienste übernehmen bis hin zum Kümmern um Post und Termine der Jungs ist alles mit dabei. „Langweilig wird es auf keinen Fall“, versichert Chrissoula mit einem Lachen. So vergehe kein Tag, an dem nicht eine Überraschung auf sie warte. „Ich habe drei eigene Kinder zu Hause und dachte, ich hätte schon alles gesehen“, erzählt sie. Allerdings würden es die Jungs immer wieder schaffen, sie mit etwas Neuem zu überraschen.

Fürs Leben lernen

Chrissoula ist im Sportinternat für die jungen Bewohner auch eine wichtige Vertrauensperson. „Ich sage den Kindern immer: Wenn ihr irgendein Problem habt, wenn euch etwas auf dem Herzen liegt, dann kommt zu mir, ich bin für euch da, ich bin auf eurer Seite.“ Wie oft habe sie schon in einem der Zimmer gesessen und sich ein, zwei Stunden mit einem Kind unterhalten, erinnert sie sich. Auch dann, wenn ihre acht Stunden Arbeit für den Tag eigentlich schon längst vorbei waren. Deshalb ist es ihr auch enorm wichtig, den jungen Fußballern etwas für ihre Zeit nach dem Internat mitzugeben. „Die Kinder sollen in der Zeit, in der sie hier sind, auch etwas für ihr Leben lernen“, findet die „Ersatzmutter“. Zum Beispiel: Wie man eine Waschmaschine bedient, einkaufen geht oder sich etwas Kleines selbst kocht. „Ich helfe den Kindern immer gerne, aber ich möchte ihnen auch ein Grundgerüst dafür mitgeben, wenn sie mal alleine leben“, erklärt Chrissoula. Wenn es dann tatsächlich dazu kommt, dass ein Spieler das Internat verlässt, sei das zwar traurig, aber sie könne auch etwas Positives daraus ziehen: „Wenn ich dann höre, wie sich ein Kind bei mir bedankt und mich umarmt, dann weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe und das Kind auf dem richtigen Weg ist.“ Nicht nur deshalb sagt Chrissoula offen heraus: „Ich liebe meine Arbeit!“

Die Liebe zu seinem Beruf ist auch Rafael Francisco deutlich anzumerken. Nachdem er ab 2006 bereits ehrenamtlich bei Eintracht Frankfurt aktiv war, machte er 2015 sein Hobby zum Beruf. „Ich habe meine Arbeit als Banker für die Liebe zur Eintracht und zum Fußball aufgegeben“, erzählt er. Seitdem ist er gar nicht mehr vom Riederwald wegzudenken. „Ich sage immer: Fußball kennt keine Feiertage und Wochenenden“, erklärt er schmunzelnd. Entsprechend sei er im Schnitt sechs Tage pro Woche vor Ort – zu den unterschiedlichsten Uhrzeiten. „Es kann morgens um 8 Uhr losgehen, oder auch mal bis 20 Uhr abends werden“, berichtet Rafael. Je nachdem, wann er gebraucht wird, kümmert er sich unter anderem um den Fuhrpark mit acht Kleinbussen und das Materiallager. Einen Großteil der Zeit findet man ihn zudem im Sportinternat. „Ich fahre die Jungs zum Beispiel zum Arzt und begleite sie zum Physio“, erzählt er. Dafür würden schon mal drei bis vier Stunden draufgehen. Und doch ist es gerade diese Zeit, die Rafael besonders genießt: „Auf den Fahrten lerne ich viele Spieler noch besser kennen, sodass ich zu den meisten ein sehr enges Verhältnis habe“, sagt „Rafa“, wie er am Riederwald genannt wird.

Immer ein offenes Ohr

Wie Chrissoula ist auch Rafael eine wichtige Vertrauensperson für die Jugendlichen. „Ich versuche den Jungs immer zu zeigen, dass ich für sie da bin und dass sie mit ihren Problemen auf mich zukommen können“, sagt er. Dafür sei natürlich Feingefühl gefragt, doch gerade der enge Kontakt mit den Nachwuchsspielern motiviere ihn jeden Tag aufs Neue: „Ich möchte den Jugendlichen etwas mit auf den Weg geben. Wir wissen, dass nicht alle Profis werden, aber die Jungs sollen trotzdem aus der Zeit, die sie hier verbringen, Werte mitnehmen, die ihnen später helfen können.“

Dass der Kontakt zu den Nachwuchsspielern aktuell so eingeschränkt und das Internat vorübergehend nur von zwei statt zwölf Jugendlichen bewohnt ist, macht sowohl Chrissoula als auch Rafael zu schaffen. Statt Riederwald rund um die Uhr verbringen die beiden aktuell die meiste Zeit zu Hause. Umso mehr freuen sie sich dafür auf den Moment, wenn die Tage endlich wieder vollgepackt sind, freie Tage zur Ausnahme werden und die Nachwuchsspieler wieder täglich eine neue Überraschung für sie bereithalten.

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