26.12.2020
U19

Neben dem Platz zum Abitur

Sechs Mal pro Woche trainieren, am Wochenende um Punkte kämpfen und ganz nebenbei auch noch Abitur machen. Was U19-Spieler Nikola Komljenovic hinter sich gebracht hat, steht Teamkollege Fynn Otto noch bevor.

„Wenn ich an den Stress vor den Klausuren und Prüfungen zurückdenke, bin ich schon echt froh, dass es rum ist“, gibt Nikola zu, wenn er nach seiner Schulzeit gefragt wird. Im Frühjahr hat der U19-Abwehrspieler sein Abitur am Georg-Büchner-Gymnasium in Bad Vilbel abgeschlossen und kann jetzt entspannt an die Zeiten zurückdenken, in denen er von 7:45 Uhr bis 13 oder sogar 17 Uhr die Schulbank drücken, sich mit seinen „Hassfächern“ Chemie und Biologie abmühen und direkt im Anschluss auch schon fürs Training bereitmachen musste. Tage, die angefangen mit der Schule und dem direkten Übergang zum Training, schnell zu Ende waren. „Wenn man auf einem gewissen Niveau im NLZ spielt, bleibt natürlich wenig Zeit für Freizeit“, meint der 18-Jährige, allerdings ohne Frust.

Denn, so Nikola: „Das ist ja das, was ich machen möchte und was ich mir ausgesucht habe.“ Deshalb hat es der Adlerträger auch nie ernsthaft in Frage gestellt, die zwölf Jahre Schule bis zum Abitur komplett durchzuziehen – auch wenn die Motivation anfangs nicht von ihm selbst ausging. „Meine Eltern haben mir von klein auf gesagt, dass ich einen guten Schulabschluss machen soll, um eine Absicherung zu haben“, erzählt der SGE-Spieler, der seit 2013 für die Eintracht spielt. Mittlerweile sei ihm selbst bewusst geworden, wie schwer es ist, sich im Fußball durchzusetzen sowie den Sprung vom Hobby zum Beruf zu schaffen und wie wichtig im Gegenzug eine Absicherung ist. „Mit dem Abi in der Tasche habe ich alle Möglichkeiten und kann auch in zwei, drei Jahren noch ein Studium beginnen“, sagt er jetzt durchaus stolz.

Minimalistisch aber erfolgreich

Einen Fokus hat Nikola trotzdem schon sein ganzes Leben lang gesetzt und der hieß ganz klar: Fußball. Erst auf dem zweiten Platz kam dann die Schule mit dem Ziel, zwar einen ordentlichen Abschluss zu machen, aber nicht Klassenbester sein zu müssen. „Wenn ich ein 1,0-Abi hätte haben wollen, wäre die Schulzeit sicher um einiges stressiger gewesen“, meint er. So habe er sich meist nicht zu viel Druck gemacht, heißt: Hausaufgaben auch mal in der Pause vor der Stunde gemacht und am Abend vor einer Klausur mit dem Lernen begonnen. „Ich habe Glück, dass ich mir relativ gut Sachen merken kann“, erzählt er mit einem leichten Augenzwinkern, denn kurz vor den Prüfungen sei er sich dann doch manchmal seiner Sache nicht mehr ganz so sicher gewesen. Gerade der Abend vor seiner ersten schriftlichen Abiturprüfung in Englisch sei alles andere als entspannt gewesen, erinnert sich der Jungadler. „Wir sind alle davon ausgegangen, dass die Prüfung durch Corona nicht stattfindet, deshalb hatte ich mich auch nicht vorbereitet und war am Abend vorher noch trainieren“, berichtet Nikola. Um 20 Uhr sei dann die E-Mail vom Direktor gekommen, dass am nächsten Morgen geschrieben wird. „Dann wurde es ein langer Abend“, kann er heute darüber lachen.

Doch auch von Seiten der Schule wurde es dem serbischen U-Nationalspieler nicht immer leicht gemacht, vor allem dann nicht, wenn er auf Länderspielreise wollte oder freitags auswärts mit seinem Team ranmusste. „Meine Schule ist sehr streng damit umgegangen, sodass ich für jede Befreiung kämpfen musste“, erklärt Nikola. Teilweise habe er sich deshalb gleich über seinen Arzt eine Freistellung besorgt. Das würde aber nicht heißen, dass er nur mit negativen Gedanken an seine Schulzeit zurückdenke. „Je weiter es weg ist, desto mehr vermisst man es“, sagt er und gibt zu: „Gerade durch die Zeit mit meinen Freunden hat die Schule manchmal auch echt Spaß gemacht.“

Reifer mit der Zeit

Die Zeit mit den eigenen Freunden war auch für U19-Spieler Fynn Otto mitentscheidend dafür, die Schulzeit bis zum letzten Schuljahr durchzuziehen. Im Frühjahr 2021 stehen die Abschlussprüfungen für den Abwehrspieler an – also noch weit genug weg, dass von Abistress nichts zu spüren ist. „Im Moment ist noch alles wie in den Jahren zuvor, ab nach Weihnachten wird es mit dem Lernen dann denke ich etwas mehr“, so der aktuelle Plan des Riederwälders, der seit 2014 den Adler auf der Brust trägt. Eigentlich hatte Fynn geplant, die Schule nach der 12. Klasse zu beenden, um sich in seinem letzten Jugendjahr voll auf den Fußball konzentrieren zu können. Zum Umdenken hat ihn letztlich Corona und der daraus resultierende Unterrichtsausfall gebracht: „Ich habe gemerkt, dass mir die Zeit mit meinen Freunden, die ich durch das Training eigentlich nur in der Schule sehe, gefehlt hat“, erzählt er.

Wie wichtig außerdem ein guter Abschluss als zweites Standbein sein kann, wurde ihm mit den Jahren bewusst: „Am Anfang habe ich das nicht so verstanden, aber als ich älter wurde, wurde mir klarer, dass man sich nicht nur auf den Fußball verlassen kann, weil durch eine Verletzung alles vorbei sein kann.“ Deshalb war er in den vergangenen Jahren auch immer wieder bereit, den Sport hinten anzustellen und den Fokus auf die Schule zu legen. „Als es auf meiner alten Schule mal nicht so gut mit den Noten lief und auch vor wichtigen Klausuren habe ich schon mal die ein oder andere Trainingseinheit ausfallen lassen, um Zeit zum Lernen zu haben“, erklärt er.

Abitur eintüten, im Anschluss Fokus Fußball

Und das, obwohl er Anfang des Jahres 2020 bereits einen Profi-Vertrag unterschrieben hat. Zwar hat der Butzbacher in der aktuellen Saison noch nicht mit den Profis trainiert, hofft aber, dass sich das in naher Zukunft intensivieren wird. Sorgen, dass er dadurch kurz vor den Prüfungen noch mehr Stress hat, hat Fynn aber nicht, denn Fußball und Schule unter einen Hut zu bekommen, sei bisher kein Problem für ihn gewesen. Denn er konnte auch immer auf die Unterstützung seiner Schule, dem Berggymnasium in Friedberg, bauen. Probleme mit der Abstellung für Länderspiele mit der deutschen U-Nationalmannschaft oder Ligaspiele habe es bisher noch nie gegeben. „Meine Lehrer haben echt viel Verständnis, sodass das immer sehr gut funktioniert“, meint Fynn und blickt deshalb auch zuversichtlich ins nächste Jahr, in dem er hofft, dann endlich das Abiturzeugnis in den Händen halten und ähnlich wie Nikola positiv auf manch stressige Klausur, langweilige Unterrichtsstunde und vollgepackten Tage mit frühem Aufstehen zurückblicken zu können.

Wie es dann weitergehen soll, hat Fynn jetzt schon klar vor Augen: im Profifußball. „Mit meinem Vertrag habe ich schon ein Bein im Profigeschäft, aber noch kann ich mir nichts davon kaufen und ich muss weiter hart an mir arbeiten.“ Er freue sich aber darauf, sich im nächsten Jahr komplett auf den Fußball konzentrieren und sich so hoffentlich bei den Profis etablieren zu können. Auch Nikola hat sich nach seinem Abschluss im Sommer für sein aktuelles und gleichzeitig letztes Jugendjahr bei der Eintracht vorgenommen, den Fokus allein auf den Fußball zu legen. „Im nächsten Sommer schaue ich dann, welche Chancen ich habe und ob ich in einer guten Liga weiterspielen kann“, so der Abwehrspieler. Wenn das nicht klappt, möchte er im nächsten Jahr ein Studium beginnen, vielleicht in Richtung Architektur. Eins sei aber auch für ihn klar: „Fußball werde ich auf jeden Fall mein ganzes Leben lang weiterspielen – egal auf welchem Level.“

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