Im Pokalduell mit Leipzig war nach der 0:8-Niederlage gegen die SpVgg Greuther Fürth am Wochenende eine Reaktion gefordert. Cheftrainer Alex Meier veränderte seine Startformation entgegen dem Auswärtsspiel im Frankenland deshalb auf insgesamt fünf Positionen. Sahin Balta, Benjamin Dzanovic, Christian Prenaj und Lean Husterer standen allesamt nicht im Kader, Max Arlinghaus nahm derweil vorerst auf der Bank Platz. Luca Gebhardt, der aus der U21 runtergezogene Alessandro Gaul Souza, Yannis Ahouannou, Niko Ilicevic und der gegen Fürth rotgesperrte Nicolas Peter rückten dafür in die erste Elf, die von Meier im 4-2-3-1 auf den Rasen geschickt wurde.
Führung per Standard
Es war die verhaltene Anfangsphase zu Beginn des Spiels, in der sich beide Teams erstmal abtasteten und kennenlernten. Die Eintracht legte vielleicht sogar den etwas aggressiveren Beginn hin, jedoch ohne zwingend zu werden. Erstmals leicht durchatmen konnten die Adlerträger als Neuendorff das Laufduell mit Leipzigs Sakar gewann und somit entscheidend beim Abschluss störte (9.). Kurz später zeichnete sich Emil Möhler das erste Mal aus und parierte einen Linksschuss von Mads Bröcker zur Ecke (11.).
Den Chancen zum Trotz wurde es auf der anderen Seite das erste Mal gefährlich, als Niko Ilicevic einen Freistoß etwa 18 Meter vor dem gegnerischen Kasten herausholte. Der 15-Jährige nahm sich der Sache selbst an und hatte etwas Glück, dass Leipzigs Schlussmann Hantschmann die Murmel dabei durch den Hosenträger rutschte (16.). Der Eintracht sollte es egal sein – sie meldete sich mit diesem Treffer an und führte früh nach etwas mehr als einer Viertelstunde.
Wenig später der nächste Hochkaräter: Gaul Souza schickte Staff über die linke Außenbahn. Der Mittelstürmer nahm im Laufduell mit der sächsischen Hintermannschaft etwas Tempo raus, kam aber dennoch zum Abschluss, den Hantschmann jedoch parieren konnte (20.). Das Duell wurde nun intensiver. Doch Leipzig war nicht abgemeldet. Ein weiteres Mal durfte sich Eintracht-Schlussmann Möhler präsentieren, als sich der Kopfball von Kapitän Schuldes ins lange Eck senkte. Der Keeper war jedoch zur Stelle und fischte die Kugel rechtzeitig aus der Luft (27.).
Ausgleich nach Notbremse
Sieben Minuten vor der Pause schwächte sich die Eintracht selbst. Samba Konaté wurde völlig frei in ins Laufduell mit Neuendorff geschickt und vom Frankfurter Innenverteidiger zentral vor dem Strafraum per Halten zu Fall gebracht. Schiedsrichter Hoffmann blieb nichts anderes übrig als auf Foulspiel und den Platzverweis zu entscheiden – die Eintracht agierte ab diesem Zeitpunkt in Unterzahl (38.). Din Klapija nahm sich der Sache an, doch Möhler entschärfte die Situation (40.).
Pech hatten die Adlerträger aber eine Minute später. Im Aufbauspiel wurde Möhler von Klapija bedrängt. Der Torhüter spielte dem Angreifer dem Ball direkt in den Fuß, von dem das runde Leder zum mitpressenden Konaté gelangte, der nur noch ein freies Tor vor sich hatte und einnetzte (41.). Nach dem 15-jährigen Ilicevic traf mit dem 16-jährigen Konaté nun auch Leipzigs jüngster Spieler im Kader und sorgte somit für den Halbzeitstand.
Nach einer kurzen Ruhepause in der Kabine ließ sich die Eintracht nicht anmerken, dass sie in Unterzahl spielte. Coach Meier stellte auf 4-3-2 um und sah zu, wie seine Mannschaft beinahe erneut in Führung ging. Jedoch versprang Gaul Souza der Ball nach Ilicevics Freistoß-Hereingabe (53.). Leipzig versuchte indes ihre Überzahl auszuspielen, doch wieder rettete Möhler beim Schuss von Klapija (55.). Das Spiel befand sich in einer torreichen Phase, auch bei Ilicevics Versuch, der knapp rechts am Tor vorbei ging, ertönte ein Raunen im maxworx Sportpark (57.).
Staff trifft, Leipzig egalisiert in der Nachspielzeit
Grund zum Jubel hatten die Hessen dann endlich knappe 20 Minuten vor Spielschluss. Akram Ayadi setzte bei seiner flachen Hereingabe Staff in Szene, der sich freilief und beim Abschluss leichtes Spiel hatte (69.). Die Eintracht führte wieder – längst nicht unverdient.
Jetzt wurde es knackig. Leipzig wurde aggressiver, die Eintracht stemmte alles dagegen. Mit Ahouannou, Tsiokos und Peter holten sich gleich drei Adlerträger die Gelbe Karte ab, bevor es in die intensive und spannende Schlussphase ging. Leidenschaftlich verteidigten die Frankfurter ihre Führung in den letzten Minuten. Doch einmal sollte Leipzig noch durchkommen. Es schlug die fünfte Minute der Nachspielzeit, als der eingewechselte Yohan Ngatcheu Kouatcha die Kugel an Möhler vorbeidrückte und somit dafür sorgte, dass das Spiel in die Verlängerung ging (90.+5).
Verlängerung mit weiterem Platzverweis
In den anschließenden 30 Minuten beschlossen die Teams einfach da weiterzumachen, wo sie aufhörten: mit einem unfassbar spannenden Spiel auf Augenhöhe. Erst schoss Konaté auf der einen Seite drüber (99.), dann Staff in die Hände von Hantschmann (101.). Die dickste Gelegenheit hatte der Angreifer auf Freistoßhereingabe von Tsiokos – doch auch hier war Hantschmann zur Stelle und klärte geradeso zur Ecke (105.+2).
Erneuter Rückschlag dann nach Wiederanpfiff: Nicolas Peter sah nach Foulspiel Gelb-Rot – diesmal eine harte Entscheidung von Schiri Hoffmann (107.). Die Eintracht kämpfte dennoch weiter und wehrte sich der Leipziger Offensive und den Krämpfen entgegen. Kurz vor Schluss zappelte der Ball im Netz von Möhler, doch die Fahne des Assistenten war oben. Abseits (119.).
Möhler hält zweimal und trifft vom Punkt
Kurz darauf war erneut Schluss, es ging ins Elfmeterschießen, in dem Emil Möhler über sich hinauswuchs, gegen Hannes Müller und Franz Hantschmann hielt und selbst vom Punkt traf. Was ein Thriller, was eine Geschichte. Die Eintracht zieht somit in doppelter Unterzahl ins Viertelfinale ein und empfängt dort am dritten Adventwochenende den 1. FC Köln.
Eintracht Frankfurt U19 – Leipzig U19 10:09 n. E. (1:1, 2:2, 2:2, 2:2)
Eintracht: Möhler – Ahouannou (95. Daaou), Peter, Neuendorff, Ayadi (94. Arlinghaus) - Eisele, Gebhardt (105. Barry) - Tsiokos, Ilicevic (88. Voett), Gaul Souza (90.+4 Bouvier) - Staff
Leipzig: Hantschmann – Reschke (66. Kutscher), Kaltefleiter, Schuldes, Konate, Tomasevic (66. Langsteiner), Sakar (78. Ngatcheu Kouatcha), Müller, Masanka Bungi (90.+3 Voufack), Bröcker (115. Naumann), Klapija
Tore:
1:0 Niko Ilicevic (16.)
1:1 Samba Konaté (41.)
2:1 Alexander Staff (69.)
2:2 Yohan Ngatcheu Kouatcha (90.+5)
Tore im Elfmeterschießen:
2:3 Yohan Ngatcheu Kouatcha
2:4 Din Klapija
3:4 Philipp Eisele
3:5 Jamie Schuldes
4:5 Jasha Barry
5:5 Johannes Voett
5:6 Toni Langsteiner
6:6 Leonidas Tsiokos
6:7 Lionel Voufack
7:7 Marcello Bouvier
7:8 Carlos Naumann
8:8 Bilal Daaou
8:9 Matthes Kutscher
9:9 Max Arlinghaus
10:9 Emil Möhler
Besondere Vorkommnisse:
Rote Karte Nilo Neuendorff (38./Notbremse)
Gelb-Rote Karte Nicolas Peter (107./Foulspiel)






