27.12.2020
Nachwuchsleistungszentrum

Moderne Datenanalyse beim Nachwuchs

Es ist der Tag 1 nach dem Ausscheiden aus der Europa League. Das Spiel wird natürlich intern aufbereitet – mit dabei Steffen Haas, der zwischen Stadion und Riederwald pendelt.

Steffen kennt den Weg, er ist in den vergangenen Jahren oft gependelt. Und er kennt sogar noch den alten Riederwald, vor dem Umbau – aus seiner Zeit, als er in Hoffenheim spielte und aus der Jugend heraus mit dem Klub aus dem Kraichgau bis in die Bundesliga marschierte. Der gebürtige Karlsruher spielte in der Jugend für den KSC, wurde dort aber für zu schmächtig befunden, um anschließend in Hoffenheim seinen Weg zu gehen und sogar Junioren-Nationalspieler zu werden. „Von meinem damaligen Trainer Ralf Rangnick habe ich viel gelernt. Er war zu jener Zeit in gewissen taktischen Aspekten ein Vordenker.“, sagt Steffen beim Cappuccino. Über Hoffenheim ging es zu den Offenbacher Kickers, deren Kapitän er mit 21 Jahren wurde. Zu diesem Zeitpunkt standen bereits 100 Drittligaspiele in seiner Statistik.

Einem weiteren Engagement beim KSC folgte noch ein Jahr beim SV Wehen Wiesbaden. „Und dann stand ich vor der Überlegung, weitere 60 Drittligaspiele zu absolvieren – oder mich auf meine berufliche Ausbildung zu konzentrieren. Ich entschied mich für Letzteres, obgleich sogar einige recht lukrative Angebote auf dem Tisch lagen. Letztlich bin ich aber doch sehr heimatverbunden“, gesteht Steffen. Den Fußball gab er aber nicht ganz auf. Fortan schnürte er die Stiefel für den FC Astoria Walldorf in der Regionalliga und absolvierte ein duales Studium bei SAP. Betriebswirtschaft mit Fachrichtung Sport.

Als Sebastian Zelichowski, Referent des Sportvorstands, federführend bei den Profis der Eintracht für die Implementierung der cloudbasierten Plattform SAP Sports One for Football bei SAP vorsprach, um auch für das Leistungszentrum einen geeigneten Sporttechnologen für den „Rollout“ (Vorstellung und Erklärung sowie Einweisung der Mitarbeiter gemeint; Anm. d. Red.) zu finden, fiel die Wahl auf Steffen. Er hatte sich schon vor Ort intensiv damit beschäftigt und kennt zudem das Fußballgeschäft von der Pike auf.

Ich hätte auch bei SAP bleiben können, es waren hervorragende Arbeitsbedingungen dort. Aber mich reizte die Arbeit im Fußball – und natürlich die Eintracht.

Steffen Haas

So kam Steffen Haas Ende 2017 an den Riederwald, installierte das System und schulte die Mitarbeiter. Doch letztlich ist es damit natürlich nicht getan. Die Digitalisierung des Fußballs steckt in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen. Zudem unterliegt auch der Fußball, wie an etlichen Stellen mehr als deutlich sichtbar wird, einem dynamischen Prozess. An vielen kleinen Stellschrauben wird permanent gedreht, Prozesse werden angepasst, optimiert, geändert, Neuerungen integriert. Dabei ist die Sporttechnologie ein relativ neues Feld. Nutzten im Jahr 2015 sieben Clubs die Plattform „Sports One“, so sind es heute bereits über 150, Tendenz steigend. Und da die Eintracht relativ früh mit der Nutzung begann, zählt sie neben Bayern München, Hoffenheim, Manchester City und Hertha BSC heute zu den wenigen Co-Innovationspartnern für SAP in Bezug auf Sports One.

Selbst der Österreichische Fußballverband kam auf die Eintracht zu, um Steffen über die Schulter zu schauen und auch Vertreter von River Plate Buenos Aires ließen sich von ihm die Technologie und deren Einsatz bei der Eintracht demonstrieren. Heute hält Steffen Vorträge über die Plattform und vertritt dabei Eintracht Frankfurt, deren Netzwerk ob der Innovation wächst.

Als das System am Riederwald implementiert war und der allererste Job getan war, beendete Haas das Studium und schulte fortan seine Analyseskills unter Sebastian Zelichowski bei den Profis, um im März 2020 an den Riederwald als Referent der sportlichen Leitung zurückzukehren. „Ich hätte auch bei SAP bleiben können, es waren hervorragende Arbeitsbedingungen dort. Aber mich reizte die Arbeit im Fußball – und natürlich die Eintracht“, lacht er. Unterdessen schneit U15-Trainer Thomas Broich vorbei. Einer herzlichen Begrüßung folgt ein kleiner Talk. Der Umgang ist freundschaftlich, das Wesen am Riederwald familiär.

Von der U9 bis hin zu den Profis gehört die Arbeit mit den digitalen Strukturen selbstverständlich zum Alltag. Digitale Leistungsdiagnostik gibt Hilfestellung zur Ausgestaltung von Trainingsinhalten. Von der U15 bis hin zu den Profis werden über das Tracking- und Performance System „Kinexon“ sogar beim Training Daten erfasst, die genaue Auskunft über den Bewegungsmodus der Spieler abliefern. Gelaufene Kilometer, Geschwindigkeit, selbst die Anzahl der Sprints werden analysiert und ausgewertet. Im Vordergrund steht dabei nicht die Kontrolle der Spieler, sondern die messbare Objektivierung gefühlter Belastung – und die entsprechende Steuerung.

Von der U15 bis hin zu den Profis werden sogar beim Training diverse Daten erfasst, die genaue Auskunft über den Bewegungsmodus der Spieler abliefern.

„Wir nutzen hier ein Instrument, mit dem wir die Wahrscheinlichkeit erhöhen wollen, das Leistungspotential des Einzelnen zu entfalten, um nicht zuletzt die Spiele positiv gestalten zu können“, erklärt Haas die Vorteile der Nutzung sporttechnologischer Instrumente. Dabei ist die Analyse und Aufbereitung der Daten neben der technischen Konzeption ein weiteres Aufgabenfeld von Steffen. Auch bei den Profis. „Es gibt einige Spieler, die dieses Potential begierig ausschöpfen“, schildert er die vielfältigen Beziehungen zur digitalen Technik.

Auch für die Trainer ist der Umgang mit der digitalen Welt mittlerweile unverzichtbar, um bei der Eintracht Fuß zu fassen. Von daher sitzt Steffen mit am Tisch, wenn es darum geht, geeignete Trainer auszuwählen; Bewerber auf ihre Skills und deren Bereitschaft, sich auf die neuen Herausforderungen einzulassen, in Bewerbungsgesprächen auf den Zahn zu fühlen. Es ist sicherlich nicht der einzige Aspekt, auf den die Eintracht Wert legt. Aber ein neuer, der den Trainern innovative Möglichkeiten an die Hand (oder den Fuß) gibt, um den modernen Fußball zeitgemäß prägen zu können.

Doch nicht nur Trainer oder Scouts arbeiten mit der rollen- und cloudbasierten Plattform SAP Sports One. Diese dient zum einen der internen Kommunikation, zum anderen hat jede Rolle, sprich Abteilung, einen separaten Zugang zur Cloud. Ärzte füttern diese mit anderen Daten als die Medienabteilung oder das Key Management und jeder zieht andere Erkenntnisse daraus. Selbstverständlich unter strengen Datenschutzrichtlinien. Das gesamte Leistungszentrum, sowohl Mitarbeiter als auch sportlich Verantwortliche und natürlich die Spieler, profitieren von der digitalen Technik weit über die Leistungsdiagnostik hinaus. Genau wie die Profis – am anderen Ende der Stadt.

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