24.06.2022
U21

„Der Spieler steht immer im Mittelpunkt“

Seit rund drei Monaten ist Alexander Richter der neue Leiter des Leistungszentrums von Eintracht Frankfurt. Im Pressegespräch gibt er einen ersten Überblick.

Alexander Richter über…

…seine Entscheidung, nach Frankfurt zu wechseln: Ich habe 14 Jahre in Bochum gearbeitet, in der Stadt, in der ich geboren und mit der ich stark verwurzelt bin. Die Entscheidung ist mir keinesfalls leichtgefallen, vor allem der emotionale Aspekt war eine Überwindung. Mit der Familie wurde besprochen, ob wir das schaffen. Jetzt pendele ich oft zwischen den beiden Städten, um die Familie noch regelmäßig zu sehen. Ich habe mich aber bewusst dafür entschieden, auch weil die Eintracht einer der wenigen Vereine ist, die ich überhaupt in Erwägung gezogen hätte für eine Wechsel. Es hat mich geehrt, dass ich für diese Position angefragt wurde und bereue nichts. Jetzt bin ich mit Haut und Haaren vollkommen hier und sehe es als Geschenk an, einen solchen Beruf ausüben zu dürfen.

…die ersten drei Monate: Am 30. Juni gebe ich meinen offiziellen Einstand mit einer leckeren Currywust. Die ersten drei Monate waren schon sehr intensiv, haben aber natürlich auch Spaß gemacht. Ich habe die Zeit genutzt, um mir einen Überblick zu verschaffen, über die Kolleginnen und Kollegen und den Verein im Allgemeinen. Dabei habe ich auch sehr viel Hilfe erfahren, angefangen bei der Wohnungssuche. Von der Stadt habe ich leider noch nicht allzu viel gesehen. Ich kenne das Hessencenter, das Freibad in Enkheim, wo ich mit meinen Kindern war, und bin mit dem E-Roller über die Zeil gefahren (lacht). Jetzt freuen wir uns aber erst einmal darauf, dass es mit dem Trainingsauftakt der U21 am Montag endlich los geht.

…die neue U21: Ich bin sehr froh, dass diese Mannschaft wieder eingeführt ist. Gerade für Spieler, die noch ein oder zwei Jahre länger brauchen in ihrer Entwicklung, bei denen der Sprung von der U19 direkt zu den Profis zu groß wäre. Für diese Spieler ist die U21 enorm wichtig. Wir haben uns kein tabellarisches Ziel gesetzt und schauen in der ersten Saison erst einmal, wie die Mannschaft in der Hessenliga ankommt.

…die Qualifikation für die Youth League:  Die Youth League ist eine neue und besondere Erfahrung, die für die Entwicklung der Jungs enormen Wert hat. Es gehört zur Entwicklung von jungen Spielern, sich auf diesem Niveau zu messen. Wir sehen das Ganze als Bonbon an, bestreiten die Spiele aber natürlich, um gut abzuschneiden. Wir kämpfen uns da jetzt durch die UEFA-Richtlinien, bezüglich Kader und Spielstätte. Die Organisation hinter den Kulissen ist dann noch einmal eine ganz andere Herausforderung für sich. Wann wird gespielt, wie kommt man dahin, wer fliegt alles mit, in welcher Unterkunft wird geschlafen. Das ist schon eine bemerkenswerte Saison, die uns bevorsteht, vor allem mit Blick auf die Profis und die Frauen, die auch Champions League spielen.

…das Internat und die pädagogische Betreuung: Wir können aktuell 14 Spieler unterbringen. Das ist eine Anzahl, die auch ausreicht, gerade vor dem Hintergrund, dass wir verstärkt regionale Talente fördern möchten. Ein Internat ist nicht nur für die ausländischen Spieler wertvoll, sondern kann auch bei der individuellen Betreuung der regionalen Talente weiterhelfen. Mit Anton Schumacher haben wir hier einen sehr erfahrenen Pädagogen und Internatsleiter in unserem Team. Perspektivisch könnte ich mir vorstellen, dass wir das Angebot durch ein Teilzeit-Internat erweitern. Das heißt, wir holen die Jungs nicht aus den Familien heraus, sondern holen sie morgens zu Hause ab und betreuen sie hier tagsüber. Sie gehen zur Schule, bekommen Individualtraining, Essen, können sich mal einen Stunde hinlegen und abends bringen wir sie wieder nach Hause. So könnte man dazu kommen, dass noch mehr Spieler aus der Region noch individueller betreut werden könnten. Ein Mix aus Teil- und Vollzeit-Internat wäre eine sehr positive Entwicklung für die Zukunft.

…die Talententwicklung: Gerade im Kindesalter möchte ich eine frühe Spezialisierung vermeiden. Die Kinder sollen einfach Fußball spielen, darüber hinaus aber auch die anderen Sportarten, die wir am Standort Riederwald haben, mitnehmen. Sich mal im Turnen ausprobieren oder eine Kampfsportart ausüben. Eine frühe Spezialisierung wirkt dem entgegen, was sie später benötigen. Schnittstellen zu anderen Abteilungen sind entscheidend. Für mich gehört eine Unterteilung innerhalb des Vereins der Vergangenheit an, weswegen wir von einer Eintracht Frankfurt sprechen.

Irgendwo muss der Stöpsel aus dem Waschbecken gezogen werden, damit bei den Profis auch mal wieder einer rauskommt.

Alexander Richter, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums

...die Durchlässigkeit zu den Profis: Außerdem wollen wir die Talente noch individueller begleiten. Deswegen haben wir Ralph Gunesch als Übergangstrainer eingestellt, der sich sehr individuell um die Jungs kümmern soll. Übrigens nicht nur ausschließlich auf dem Platz. Dort findet zwar 90 Prozent statt, aber man darf auch mal die Familien kennenlernen und schauen, wie ein Spieler überhaupt lebt. Der Spieler steht immer im Mittelpunkt, mit dem Ziel ihn in den Profibereich zu bringen. Irgendwo muss der Stöpsel aus dem Waschbecken gezogen werden, damit bei den Profis auch mal wieder einer rauskommt. Das ist ein Prozess, der Kontinuität benötigt und mittelfristig angelegt ist. Grundsätzlich dürfen wir das Fußballspielen nicht aus dem Auge verlieren. Der Job ist sehr facettenreich und es kommen immer mehr Mosaiksteinchen drum herum. Aber wir spielen immer noch zwischen den weißen Linien Fußball.

…internationale Toptalente: Internationale Transfers werden wir punktuell im Auge behalten. Aber das Rhein-Main-Gebiet bietet eine Fülle an Talenten und ich möchte nicht, dass in jedem Jahrgang drei, vier Transfers stattfinden. Diese internationalen Transfers machen nur dann Sinn, wenn wir uns sicher sind, dass der Spieler hier auch eine Perspektive hat. Ansonsten konzentrieren wir uns auf die Region.

…das Scouting im Jugendbereich: Das ist ein sehr wichtig Bereich für uns, den wir qualitativ und quantitativ so aufstellen müssen, dass wir sofort jedes Talent erkennen, unabhängig des Alters und der Liga. Der Umgang mit den Spielern ist entscheidend. Schnelle und gute Entscheidungswege finden und auch Vertrauen gehören zu einem guten Scouting dazu. Auch hier ist Kontinuität sehr entscheidend, besonders im Bezug darauf, ob die Jungs sich für die Eintracht entscheiden. Es muss sich etablieren, dass die Jungs auch die Chance erhalten bei den Profis. Personaltechnisch müssen wir uns für die Zukunft auf jeden Fall noch breiter aufstellen. Wir sind aktuell bei einem Drittel an Scouts im Vergleich zu anderen NLZs.

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