23.02.2021
Nachwuchsleistungszentrum

„Besser hätte es nicht kommen können“

Seit mittlerweile sieben Jahren ist Familie Afsar ein fester Bestandteil der Eintracht. Neben den Brüdern Mahmut und Mehmet trägt auch Papa Musa den Verein im Herzen.

Ein eingespieltes Eintracht-Trio: Mahmut, Musa und Mehmet Afsar (v.l.).

Es gibt Dinge, die passen einfach zueinander. Der Deckel zum Topf, die Skyline zu Frankfurt oder auch die Afsars zur Eintracht. Seit bereits rund sieben Jahren nimmt der Verein im Leben der Familie einen großen Platz ein. Mahmut, der ältere der beiden Jungs, wechselte 2014 von der SG Rosenhöhe an den Riederwald und gab auf kuriose Art und Weise sein Debüt in der U11. Bruder Mehmet folgte nur zwei Jahre später. Seither bestimmt der Adler den Lebensinhalt des Trios in weiten Teilen. Des Trios? Ja! Denn Papa Musa ist hier keinesfalls als bloßer Nebendarsteller anzusehen. Zwar hat der Familienvater keine offizielle Vereinsposition inne und steht auch nicht mit den Spielern auf dem Platz, dafür aber oft daneben – ziemlich oft sogar. Verantwortliche, Trainer, Eltern und Spieler kennen und schätzen Papa Afsar, der, abgesehen von den eigenen vier Wänden, die meiste Zeit wohl am Riederwald verbringt.

Dabei wäre womöglich beinahe vieles anders gelaufen. Denn dass Mahmut, der heute für die U17 spielt, bereits im Alter von zehn Jahren den Schritt zur Eintracht wagen sollte, war nicht gerade der Wunsch des Vaters. „Habil Misimi [Anm. d. Red.: damals wie heute Chefscout im Leistungszentrum] beobachtete Mahmut bei Hallenturnieren. Später warf auch Giovanni Brandi [Anm. d. Red.: ehemals Nachwuchstrainer, heute Pädagogischer Mitarbeiter] draußen auf dem Feld ein Auge auf ihn“, erinnert sich Musa und ergänzt: „Das Interesse hat uns gefreut, aber in meinen Augen kam es eigentlich zu früh. Doch Habil, Giovanni und auch Adel Causevic, der damalige U11-Trainer, haben mich in Gesprächen überzeugt.“ Eine gute Entscheidung, findet rückblickend auch der Offensivspieler selbst: „Im Nachhinein war es natürlich perfekt so, wie es gelaufen ist.“

Mit der Eintracht hat Mahmut schon so manche Reise hinter sich gebracht. Hier glänzte er bei der Tri-Series in Katar gegen Atletico Madrid.

An seinen ersten Auftritt im Adlerdress erinnert sich Mahmut auch heute noch bestens, war er doch ebenso kurios wie prägend. Mit der SG Rosenhöhe nahm das Nachwuchstalent an einem Zweitagesturnier in Verl teil. Der Wechsel zur Eintracht, die auch zum Teilnehmerfeld gehörte, stand bereits fest. „Als wir nach dem ersten Turniertag im Hotel ankamen, wurde mir gesagt, dass mein Spielerpass abgelaufen sei und ich somit nicht mehr für die SG Rosenhöhe spielen dürfe. Die Verantwortlichen der Eintracht sind dann auf mich zugekommen und haben mir angeboten, den zweiten Tag bei ihnen zu spielen, was ich dann auch tat. So habe ich an zwei Turniertagen für zwei verschiedene Teams gespielt“, so Mahmut schmunzelnd. Bis heute, ergänzt der 16-Jährige, gehöre dieses Erlebnis zu seinen schönsten Eintracht-Momenten.

Noch Eintracht-intensiver gestaltete sich das Leben der Afsars, als zwei Jahre später, zur Saison 2016/17, auch der kleine Bruder Mehmet den Weg ins Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald fand. Wie Mahmut kickte auch er anfangs für die SG Rosenhöhe, legte anschließend aber noch einen einjährigen Zwischenstopp beim FSV Frankfurt ein. Mit Freude erinnert sich der heute 14-Jährige an seine ersten Jahre im Eintracht-Trikot: „Wir waren von Beginn an ziemlich erfolgreich, haben viele Turniere gewonnen“, sagt der Defensivspezialist und erwähnt anschließend ein unvergessliches Erlebnis. „Ganz besonders gerne erinnere ich mich an ein Turnier in Luzern, an dem wir in der U12 teilgenommen haben. Wir haben es geschafft, den Pokal erstmals nach Frankfurt zu holen. Das war sehr emotional, sowohl für uns Spieler als auch für unseren damaligen Trainer Giovanni.“

Wie sein Bruder kam auch Mehmet in der U11 zur Eintracht. Mittlerweile ist er Leistungsträger in der U15.

Papa Musas Sucht

Ob weit entfernte Auslandsreisen, Punktspiele oder Trainingseinheiten am heimischen Riederwald – immer mit dabei: Papa Musa. Der 45-Jährige unterstützt seine Söhne, wo er nur kann, und tut dies mit absoluter Leidenschaft. „Ich mache das nicht, um meine Söhne zu kontrollieren oder Druck auszuüben. Ich bin einfach gerne dabei, schaue den Jungs zu und unterhalte mich mit anderen Eltern, Trainern oder Verantwortlichen“, sagt Musa und ergänzt lachend: „Das wurde im Laufe der Jahre zur Gewohnheit – fast schon zu einer Sucht.“

Das außergewöhnliche vergangene Jahr und die damit einhergehenden Einschränkungen den Fußball betreffend, belasteten demnach die ganze Familie. Sowohl Mahmut, der sein erstes Jahr in der B-Junioren-Bundesliga absolviert, als auch Mehmet, der als U15-Spieler nun im Leistungsbereich angekommen ist, befinden sich in wichtigen Entwicklungsphasen. Beide hoffen nun, dass es bald wieder losgehen kann. „Wir sind gut in die Saison reingekommen. Nach einem etwas wackligen Start haben wir uns von Woche zu Woche gesteigert. Daran hätten wir gerne weiter angeknüpft“, analysiert Mehmet den bisherigen Saisonverlauf der C-Junioren, die in der Regionalliga Süd mit 13 Punkten nach sieben Spielen Rang vier belegen. Und auch Mahmut ist sich sicher: „Nach unserem starken 4:0-Sieg gegen Heidenheim vor der Unterbrechung wären wir mit Selbstvertrauen in die folgenden Partien gegangen.“ Derzeit müssen sich die Jungs aber noch gedulden, der Ligabetrieb bleibt vorerst ausgesetzt.

Was den beiden Söhnen wieder erlaubt ist, bleibt Papa Musa auch weiterhin vorerst verwehrt: der Gang zum Sportleistungszentrum am Riederwald. Der ist nämlich nur Spielern und Trainern zur Durchführung des Trainingsbetriebs vorbehalten. „Für mich ist diese Phase die schlimmste, die es geben kann“, sagt Musa lachend. „Mein größtes Hobby kann ich zurzeit nicht ausüben. Am Riederwald sein, den Jungs beim Training zuschauen, einen Kaffee in der Diva trinken und dabei nette Gespräche mit den anderen Eltern führen. Aber Spaß beiseite: Ich vermisse es, weiß aber, dass das Training an ein strenges Hygienekonzept gekoppelt ist. Da muss ich mich eben noch etwas gedulden.“

Auch privat bildet das Trio ein eingespieltes Team, das sich stets unterstützt. So beispielsweise auch im ersten Lockdown, als Trainingseinheiten nur zu Hause möglich waren. „Da haben wir es natürlich ausgenutzt, dass wir zu zweit sind, und haben zusammen trainiert“, sagt Mahmut. „Das war für beide vorteilhaft“, fährt Mehmet fort, „weil meine Stärken in der Defensive liegen und die von meinem Bruder in der Offensive. So konnten wir uns gegenseitig etwas beibringen.“ Während die beiden, bezogen auf den Charakter und den Spielertypus, recht verschieden sind, stimmen zumindest die Hobbys überein. „Wir beide treffen uns – wenn es erlaubt ist – gerne mit Freunden oder spielen Playstation“, so Mahmut. „Und wir beide sind große Fans von Lionel Messi. Neben der Eintracht ist der FC Barcelona unser Lieblingsklub.“

Ich habe in all den Jahren nicht eine einzige Person im Kreise der Eintracht kennengelernt, die ich mit einem negativen Gefühl verbinde.

Musa Afsar

Eintracht Frankfurt und Familie Afsar – das passt einfach. Hierbei sind sich alle drei einig. Papa Musa fasst zusammen: „So, wie sich das alles in den vergangenen sieben Jahren entwickelt hat – besser hätte es nicht kommen können. Ich habe in all den Jahren nicht eine einzige Person im Kreise der Eintracht kennengelernt, die ich mit einem negativen Gefühl verbinde.“ Das Gegenteil sei der Fall, fügt Musa hinzu. „Es sind Freundschaften entstanden, zum Beispiel mit dem Vater von Arda Temur [Anm. d. Red.: Teamkollege von Mahmut] oder mit Giovanni Brandi.“

Der Verdacht liegt also nahe, dass Familie Afsar der Eintracht noch eine Weile erhalten bleibt – schließlich haben Mahmut und Mehmet noch ein paar Juniorenjahre vor sich. „Wir fühlen uns wohl und wollen noch einiges mit der Eintracht erreichen“, blickt Mehmet voraus. Übrigens haben die beiden Jungs auch noch eine kleine Schwester, Ela, zwei Jahre alt. Noch hat sie mit Fußball nichts zu tun. Sollte sie aber mit dem Gedanken spielen, irgendwann in den Eintracht-Mädchenfußball einsteigen zu wollen, hätte die Familie sicherlich nichts dagegen einzuwenden – Papa Musa wohl am wenigsten.

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