Das übergeordnete Ziel der Talentausbildung lautet bei Eintracht Frankfurt: "Ausbildung zum Profispieler".
Dazu genügt es nicht, ein überdurchschnittlicher Fußballer zu sein, ein weiterer wichtiger Faktor für die Ausbildung zum Fußballprofi ist die Entwicklung einer Persönlichkeit. Beide Bestandteile sind bei Eintracht Frankfurt in der Lehre eng verwoben.
Sportliche Ausbildung
Die sportliche Ausbildung ist langfristig ausgelegt und von Kontinuität geprägt. Dabei steht die Entwicklung des Talents vor dem Mannschaftserfolg. Die Ausbildung erfolgt in drei Stufen: Grundlagenbereich U9, U10 und U11, Aufbaubereich (U12 - U15) sowie Leistungsbereich (U16 - U21). Die U21 bildet parallel den Übergangsbereich zum Profifußball.
Im Bereich der Kleinsten steht der spielerische Umgang mit dem Ball bei gleichzeitigen und vielseitigen Erfahrungen auf allen Positionen im Vordergrund. Im Aufbaubereich hält die Individual- und Gruppentaktik Einzug in den Trainingsplan. Darüber hinaus steigt die Trainingsfrequenz und –intensität, sowie die Ausbildung im athletischen Bereich. Darauf folgt mit dem Leistungsbereich das Kapitel der Ausbildung, in dem die erlernten Techniken unter höchsten Drucksituationen in komplexen Spiel- und Trainingsformen angewandt und die Spieler somit auf das Qualitätsprofil eines Profifußballers bei Eintracht Frankfurt vorbereitet werden.
Während der Ausbildung bei Eintracht Frankfurt werden die Spieler individuell betreut und gefördert. Stärken und Schwächen eines jeden Einzelnen werden regelmäßig dokumentiert und nach dem Motto „Stärken stärken und Schwächen schwächen“ durch gezieltes Training verbessert bzw. abgestellt. Im Leistungszentrum besitzen alle Übungsleiter die erforderlichen Lizenzen (ab dem Aufbaubereich ist jeder Trainer Inhaber einer A-Lizenz).
Um allen Talenten ausreichend Spielzeit für ihre Entwicklung gewährleisten zu können, ist bis einschließlich zur U13 verpflichtend vereinbart worden, dass ein Spieler mindestens 50 Prozent aller Spiele (Punkt- und Testspiele) einer Saison bestreiten soll.
Persönlichkeitsentwicklung
Der Sportverein im Allgemeinen ist neben der Schule eine der wichtigsten Einrichtungen für Kinder- und Jugendarbeit. Dadurch ergibt sich ein großer Einfluss auf die Erziehung und Entwicklung der Kinder bzw. der Jugendlichen.
Bei Eintracht Frankfurt achten Trainer und Verantwortliche des Leistungszentrums auf die Vermittlung von Werten, die nicht nur im Sport sondern auch im alltäglichen Leben Bedeutung besitzen: Begonnen beim respektvollen Umgang mit Mitspielern, Trainern, Betreuern oder Schiedsrichtern, über das Erleben und Erlernen von Fairplay, bis hin zur Verarbeitung von Kritik, Erfolgen oder Misserfolgen. Da die Spieler sich auch als Botschafter des Vereins begreifen sollen, akzeptieren sie mit Eintritt in eine Mannschaft des Leistungszentrums den aufgestellten Verhaltenskodex, der klar regelt, wie sich ein Spieler von Eintracht Frankfurt benehmen soll.
Ihrer Botschaftertätigkeit gehen die Fußballer nicht nur im Frankfurter Kreis oder auf höchster regionaler bzw. nationaler Ebene (alle Mannschaften des Leistungszentrums spielen in den höchstmöglichen Klassen) nach. Durch die Vereinbarung von internationalen Testspielen und durch die Teilnahme an internationalen Turnieren tragen die Spieler den Adler durch die Welt. Dabei erweitern sie gleichzeitig ihren kulturellen Horizont. So reist beispielsweise die U14 zu einem hochkarätig besetzen Turnier nach Dallas (USA). Hier kommen die Spieler zehn Tage bei Gastfamilien unter und erleben den "American Way of Life".
Besondere Aufmerksamkeit wird bei Eintracht Frankfurt der "Dualen Ausbildung" geschenkt. Ebenso wichtig wie gute Leistungen auf dem Platz sind solche in der Schule. Damit sich die fußballerische und die schulische Lehre nicht gegenseitig beeinträchtigen, wurden verschiedene Schulkooperationen abgeschlossen, die beide Ausbildungen problemlos vereinbaren (siehe Kooperationen).
Durchlässigkeit
Eintracht Frankfurts Jugendarbeit besitzt einen guten Ruf. Viele Talente wurden in ferner als auch naher Vergangenheit in die Bundesliga geführt, wo sie zu Leistungsträgern oder Nationalspielern reiften (siehe Geburtsort Riederwald). Andreas Möller, Thomas Berthold oder Jermaine Jones sind dafür nur wenige Beispiele. Im aktuellen Bundesligakader von Eintracht Eintracht stehen mehrere Eigengewächse, die das Fußballspielen am Riederwald erlernt haben.
Die im Jahre 2000 ausgegliederte Fußball AG setzt auf den Nachwuchs aus den eigenen Reihen, allerdings ist es erforderlich, dass die Spieler mindestens in der Regionalliga spielen, um den Leistungsunterschied soweit wie möglich zu minimieren.
Sportinternat
Das im Sportleistungszentrum am Riederwald beheimatete Internat hat im November 2010 seinen Betrieb aufgenommen. Derzeit stehen fünf Einzelzimmer und vier Doppelzimmer mit Schreibtisch, Bad, Bett und Internetanschluss sowie ein gemeinsamer Aufenthaltsraum den Bewohnern hier zur Verfügung. Hinzu kommen angemietete Wohnungen in angrenzenden Stadtteilen, wo nach Bedarf und unter Berücksichtigung der persönlichen Reife volljährige U19-Spieler ein Zuhause finden können.
Als Pädagogischer Leiter des Leistungszentrums ist Diplom-Pädagoge Anton Schumacher hauptverantwortlich für das Sportinternat. Der Austausch mit Spielern und Eltern, allen Akteuren des Leistungszentrums sowie den Kooperationspartnern gehören zu seinen Hauptaufgaben. Ihm zur Seite ssteht ein qualifiziertes Team, das sich in Teil- und Vollzeit der Betreuung der Jugendlichen annimmt.
Ziel des Sportinternats ist es, den Nachwuchsspielern ein zweites Zuhause zu geben und ihren von schulischen/beruflichen und sportlichen Herausforderungen geprägten Alltag bestmöglich zu koordinieren.
Verhaltenskodex
Mit der Aufnahme eines Spielers in eine Jugendmannschaft von Eintracht Frankfurt verpflichtet sich dieser, den vereinsinternen Verhaltenskodex zu akzeptieren.
Der Verhaltenskodex des Leistungszentrums dient u. a. als Orientierung für unsere Spieler. Er setzt Schwerpunkte, die nach unserer Ansicht für einen angehenden Profi unabdingbar sind.
Die Schwerpunkte, auf die Eintracht Frankfurt großen Wert legt:
- Respekt des Spielers gegenüber seinen Mitmenschen! Insbesondere im Umgang mit sämtlichen Mitarbeitern des Vereins, seinen Mitspielern, seinen Gegnern und den Schiedsrichtern.
- Disziplin bei der Bewältigung der dem Spieler gestellten Aufgaben und der Strukturierung seines Tagesablaufs.
- Gewissenhaftigkeit bei der Nutzung des vom Verein gestellten Materials. Hierzu gehören Ausrüstung, Trainingsmaterialien, Busse, Räumlichkeiten etc.
- Offenheit im Gespräch und gegenüber Kritik.
- Mündigkeit: Wir wollen Spieler, die aufmerksam sind und mitdenken. Kritik wird ausschließlich konstruktiv und intern geäußert.
- Teamgeist: Erst in einer funktionierenden Gemeinschaft kann auch der Spieler sein individuelles Potential voll ausschöpfen. Deshalb stellt der Spieler den Erfolg der Mannschaft über seinen persönlichen.
- Selbstbewusstsein, das sich auf das hier beschriebene Verhalten des Spielers und seine Stärken als Sportler gründet und somit nichts mit Arroganz zu tun hat.
- Leidenschaft: Der Spieler ist mit dem Herzen dabei und bringt vollen Einsatz, um die bestmögliche Entwicklung als Fußballer und Persönlichkeit zu nehmen.